Montag, 24.09.2018 18:08 Uhr

Beim Piaristen

Verantwortlicher Autor: Uwe Rembor Wien, 16.09.2018, 13:15 Uhr
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Piaristenkeller Wien
Piaristenkeller Wien  Bild: Uwe Rembor

Wien [ENA] Der Kaiserlich-Königliche Piaristenkeller in Wien ist kein Lokal für jeden. Erstens wäre die Bezeichnung „Lokal“ für diese Institution ungefähr so treffend wie die Bezeichnung „Auto“ für einen Bentley Arnage, und zweitens ist die Institution weder etwas für Massentouristen, Schluckspechte oder

Menschen die Nahrungsaufnahme ausschließlich als Sättigungsvorgang betrachten. Der Piaristenkeller ist ein Restaurant das echte Genießer anspricht, und zwar mit allen Sinnen. Wer hierherkommt, der bringt genug Zeit mit, um Ambiente, Musik, Speisen und Getränke zu genießen, der weiß sich zu benehmen und ist bereit, in einen Abend kultivierter Kulinarik zu investieren. Piaristen sind Angehörige der katholischen Männer-Ordensgemeinschaft Ordo Clericorum Regularium Pauperum Matris Dei Scholarum Piarum. Ihr gehören vornehmlich Priester an, die in der Erziehung und im Schuldienst wirken. Das Piaristenkloster in der gleichnamigen Piaristengasse liegt über dem Piaristenkeller, der genau das ist: Ein tiefer (Wein)-Keller der steil hinab führt

in die historischen Gewölbe, die einst die Klosterküche beherbergten. Barrierefrei ist dieses uralte Restaurant nicht, man muss schon trittsicher sein um die steile Treppe zu bewältigen, aber dafür wird man mehr als belohnt. Opulent ist das Attribut, welches das gewachsene und unnachahmliche Interior am besten beschreibt. Mit dem Betreten des Restaurants betritt man gleichsam eine andere Epoche. Hier erinnert nichts an das 21. Jahrhundert das draußen, oben an der Treppe herrscht, und dankenswerterweise gibt es hier unten auch kein Netz, so dass der Anblick auf dem Handy daddelnder Gäste dem Genießer-Auge erspart bleibt.

Hier herrscht die Zeit der Österreichischen K und K Monarchie, hier stehen Sissis Lieblingsmenüs und Kaiser Franz Josefs Jagdspeisen auf der Karte. Hier werden Delikatessen kredenzt von denen Normalsterbliche nicht einmal gehört haben – oder wer weiß noch was ein Kapaun ist? Das Wort kennen viele nur aus Geschichtsbüchern oder Märchen. Der Inhaber, Herr Emberger, der das Restaurant vor 38 Jahren gegründet hat, führt es mit viel Liebe und absoluten Spitzenprofessionalität. Hier wird nichts verkauft, hier wird beraten, und auf seinen Rat kann man sich verlassen. „Wenn es Ihnen nicht schmeckt, zahlen Sie nichts“ hört man immer wieder, und das gilt sowohl für die Speise- als auch die Getränkeempfehlung.

Der Oberkellner ist fast so lange im Dienst wie sein Dienstherr, und auch das spricht in der schnelllebigen Restaurantwelt für eine Top-Qualität von Restaurant, Arbeitgeber und Klientel. Auch nach mehreren Jahren Abwesenheit erinnert man sich hier an seine Stammgäste, und das Wort „Aufmerksamkeit“ erfährt hier eine neue Dimension: Als meine Frau ein vegetarisches Gericht bestellt und als Amuse Gueule Suppe kredenzt wird, bekommt meine Frau höchstfürsorglich eine Brokkoli Suppe während man mir in Abstimmung mit meinem aus Hirschbraten bestehenden Hauptgang eine Fasanensuppe kredenzt. So einen aufmerksamen Service muss man erst mal finden!

Einer der vielen Prunkräume

Der Zitherspieler der hier leise und mit einem Gespür für Situation, Gäste und Anlass leise und unaufdringlich für die stets perfekt passende Untermalung sorgt, passt perfekt in dieses K&K Habitat, ebenso wie die Einrichtung, an der man sich lange nicht satt sehen kann, und für die man mehrere Besuche benötigt um sie in ihrer Gänze und Pracht zu erfassen. Alleine das Inventar mit den echten Gemälden, die teilweise als Vorlage für österreichische Briefmarken dienten, wird auf € 4 Millionen geschätzt. Das Ambiente dagegen ist einmalig und unbezahlbar. Bitte wer kann schon sagen dass er zu Hause Gemälde hängen hat, die sich Post als Vorlage für ihre Briefmarken ausgeborgt hat?

Doch zurück zur Speisekarte, dem eigentlichen Grund für jeden Besuch in diesem Culinarium. In Fortführung der Tradition des Klosterküche (Mönche waren ja schon immer bekannt dafür gut zu speisen und gutes Bier und Weine zu produzieren) hat das Küchenteam sorgfältig die kulinarischen Vorlieben der kaiserlichen Familie recherchiert und kocht hier die vielfältige Küche der Donaumonarchie nach Originalrezepten nach. Herausragend sind die Wildgerichte, aber man muss vorsichtig sein hier ein einzelnes Gericht zu loben, denn vom Lach-Carpaccio über die Fasanensuppe, vom Hirschsteak mit Mandel Kroketten, gebratenen Pilzen, Dörrbirne und Maronipüree bis zu den feinsten Desserts verdient hier Alles das Prädikat „überragend“.

Das die passenden Weine und Spirituosen nicht fehlen, ist selbstverständlich. Den Weinkeller mit den Tresoren für die Wein-Schätze kann man besichtigen. Kredenzt wird die Speisefolge auf erlesenem Vintage Porzellangeschirr, den Tisch zieren Tafelsilber und Tischdekorationen, in den Vitrinen hält das Originalgeschirr von Kaiser Franz Josef Hof. Die Preise sind der Spitzenqualität angemessen. Ich würde hier aber lieber das Wort „Wert“ anstatt das Wort „Preis“ benutzen. Es soll ja Menschen geben, die kennen von Allem den Preis, aber von nichts den Wert. Hier investiert man in ein Genusserlebnis. Wer das nicht möchte und einfach nur satt werden will, für den gibt es in Wien mehr als genug Alternativen.

Trotzdem sind die Preise fair und nicht überzogen, und gerade die Weinkarte zeigt mit offenen Weinen zu anständigen Preisen dass man hier über Abzocke erhaben ist. Für ein Dinner for 2 mit Vorspeise, Hauptgange Dessert, Aperitif und einer Flasche Wein und Wasser sollte man mit € 200.- bis € 250.- rechnen, es geht auch günstiger, aber die meisten Gäste die hierher kommen, kommen wegen des Genusses und nehmen keine kulinarischen Abkürzung. Hier nur ein Tellergericht und ein Glas Wein oder Bier zu ordern, wäre ein gourmealer Interrupts. Und noch eine Kuriosität: Der Piaristenkeller ist nicht nur eine spitzengastronomische Institution, sondern zugleich auch ein Museum.

Herr Emberger hat hier die größte private Hutsammlung Europas zusammengetragen – natürlich standesgemäß ausschließlich vornehme Kopfbedeckungen aus der Zeit der K&K Monarchie. Die darf man anprobieren und aufsetzen und damit im Weinmuseum lustwandeln und sich als Hofdame oder Kavalier fühlen. Wer es ausgelassener mag, der darf auch die großen Weinfässer herunterrutschen. Im Piaristenkeller, das dürfte klar geworden sein, bietet man höchste Qualität und Weltklasse Service. Darum ist das Restaurant natürlich auch die erste Wahl für Feiern wie Hochzeiten, Geburtstage, Taufe, Hochzeitstage, Jubiläen, aber auch geschäftliche Anlässe für intime Kreise bis zu großen Gruppen.

Opulenz pur

Eine Vielfalt an Räumen und Sälen bietet hier Möglichkeiten von intimeren Separee bis hin zu gedeckten Tafel im Glasmuseum. In der individuellen und liebevollen Dekoration des Tisches übertreffen sich die Angestellten selbst. Als ich für meine Frau und mich anlässlich unseres Hochzeitstages einen Tisch reservierte, ließ sich die Dekoration nur mit dem Wort „fulminant“ beschreiben. Blumenschmuck, Rosenblätter, Porzellan und silberne Tischdekoration, edles Geschirr und makelloser, absolut liebenswürdiger Service bei dem man gerne und absolut gerechtfertigt ein anständiges Trinkgeld gibt.

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